Fragestellungen der Studie:
Rezension zur Studie
Eiden, S. (2018). Orientierungen von Lehrkräften im Umgang mit „Schwererreichbarkeit“ von Eltern. DDS – Die Deutsche Schule, 110 (4), 326–340.FIS BildungDie Studie beschäftigt sich mit der sogenannten „Schwererreichbarkeit“ von Eltern, d. h. der Schwierigkeit, eine Kooperation zwischen Schule und Elternhaus herzustellen. Während bisherige Studien diese Schwierigkeit vor allem auf die Eltern zurückführten, nimmt die vorliegende Untersuchung explizit auch die Rolle der Lehrkräfte in den Blick.
Es werden die folgenden drei Forschungsfragen untersucht:
In einem Mixed-Methods-Design (quantitative Befragung von N = 3 183 Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrkräften und Schulleitungen; qualitative Interviews mit N = 12 Hauptschullehrkräften) analysiert die Autorin Kooperationsvorstellungen, -erwartungen und -praktiken sowie Zusammenhänge mit der sozialen und ethnischen Herkunft.
Aus Perspektive der Eltern gibt es keine signifikanten Zusammenhänge zwischen Partizipationshäufigkeit, Kooperationszufriedenheit und sozialer bzw. ethnischer Herkunft, aus Perspektive der Lehrkräfte hingegen doch. Die Ergebnisse zeigen deutliche Diskrepanzen in der Wahrnehmung und Bewertung von Kooperation zwischen Eltern und Lehrkräften, wobei Lehrkräfte „Schwererreichbarkeit“ stark mit elterlichen Merkmalen assoziieren und eigene Strategien selten anpassen. Die Lehrkräfte erkennen und berücksichtigen nur eingeschränkt die Differenz zwischen dem eigenen Herkunfts- und Lebenskontext und dem der Eltern. Aus der eingeschränkten Wahrnehmung und Berücksichtigung der Differenz resultiert eine unzureichende Passung zwischen den Strategien der Lehrkraft und den Bedarfen der einzelnen Eltern im Umgang mit „Schwererreichbarkeit“.
Die Autorin beschreibt „Schwererreichbarkeit“ verständlich, rekapituliert hierfür die einschlägigen Studien und leitet transparent die Forschungsfragen und -hypothesen ab. Fehlende Angaben zur Stichprobe und zur Datenerhebung schränken jedoch die Replizierbarkeit der Studie ein. Positiv ist hervorzuheben, dass der Beitrag für dysfunktionale Muster von Lehrkräften im Umgang mit „Schwererreichbarkeit“ sensibilisiert und plausibilisiert, warum differenzierte Strategien von Lehrkräften entwickelt werden müssen, um „Schwererreichbarkeit“ wirksam abzubauen.
Nachfolgende Reflexionsfragen sind ein Angebot, die Befunde der rezensierten Studie auf das eigene Handeln als Lehrkraft oder Schulleitungsmitglied zu beziehen und zu überlegen, inwiefern sich Anregungen für die eigene Handlungspraxis ergeben. Die Befunde der rezensierten Studien sind nicht immer generalisierbar, was z. B. in einer begrenzten Stichprobe begründet ist. Aber auch in diesen Fällen können die Ergebnisse interessante Hinweise liefern, um über die eigene pädagogische und schulentwicklerische Praxis zu reflektieren.
Reflexionsfragen für Lehrkräfte
Reflexionsfragen für Schulleitungen
Studien zeigen, dass die Kooperation von Eltern und Lehrkräften mit der sozialen und ethnischen Herkunft der Eltern zusammenhänge (Gomolla, 2009; Hertel, Bruder, Jude & Steinert, 2013; Schwaiger & Neumann, 2010). Dies bedeute, dass Lehrkräfte bildungserfolgreiche, einkommensstarke und statushohe Eltern besser erreichen als einkommensschwächere Eltern, Eltern mit Zuwanderungshintergrund oder niedrigen formalen Bildungsabschlüssen. Der Begriff „Schwererreichbarkeit“ beschreibt als Sammelbegriff unterschiedliche Aspekte eines Nichtzustandekommens von Kooperation zwischen Schule bzw. Lehrkräften und Eltern, dessen Ursachen meist bei den Eltern verortet und entsprechend in den Blick genommen werden. Dabei zeigen diese Studien, dass schwer erreichbare Eltern über fehlendes kulturelles, ökonomisches und soziales Kapital verfügen. Darüber hinaus würden Untersuchungen belegen, dass die „Schwererreichbarkeit“ von Eltern aus einer Unzufriedenheit mit der Leistung ihrer Kinder oder der an der Schule etablierten Gesprächs- und Problemlösekultur resultieren kann (Fürstenau & Hawighorst, 2008; Sacher, 2011).
Die wenigen Untersuchungen, die über Ursachen auf Seiten der Eltern hinausgehen, zeigen, dass die Schulgröße oder das Alter der Schülerinnen und Schüler die „Schwererreichbarkeit“ verstärken könne (Sacher, 2014). Insgesamt wird herausgearbeitet, dass hinsichtlich der „Schwererreichbarkeit“ Aktivitäten und Bedingungen sowohl von Lehrkräften als auch von Eltern berücksichtigt werden sollten. Dabei geht die Autorin davon aus, dass „Schwererreichbarkeit“ mit einer unzureichenden Passung in den Kooperations- und Unterstützungsinitiativen zwischen Schule und Elternhaus einhergehe und Lehrkräfte ihre Strategien zur Herstellung einer Kooperationsbeziehung oftmals nicht an die Bedarfe der Eltern anpassen. Dies sei mit der Annahme verbunden, dass sich die bestehenden Ansätze und Konzepte (sog. Normalitätskonstruktionen) von Lehrkräften und schwer erreichbaren Eltern im Hinblick auf gute Schule, gute Schülerinnen und Schüler, gute Eltern und gute Lehrkräfte sowie angemessene Familienstruktur und Freizeithabitus deutlich unterscheiden (Betz, 2010). Diese Unterschiede können sich letztlich auch auf die unterschiedlichen Erwartungen an Kooperation, Partizipation, Unterstützung und „Schwererreichbarkeit“ auswirken, was zu einer fehlenden Passung zwischen schulischen und elterlichen Vorstellungen führt.
Bisher konzentrierten sich Untersuchungen zur „Schwererreichbarkeit“ auf die Perspektive der Eltern und blendeten insbesondere Lehrkräfte als möglichen Teil des Problems aus. Dieses Desiderat will die Autorin unter Einbindung des Begriffs der Passung schließen. Daher untersucht sie multiperspektivisch kooperationsrelevante Vorstellungen, Erwartungen, Haltungen und Praktiken von Lehrkräften. Dabei werden auch Herkunfts- und Lebenskontexte der Eltern berücksichtigt. Um diese aufgezeigte Forschungslücke zu schließen, untersucht die Autorin in ihrem Beitrag folgende Forschungsfragen:
Die Studie wurde im Rahmen des Forschungs- und Schulentwicklungsprojekts „Potenziale entwickeln – Schulen stärken“ durchgeführt. Die Studie basiert auf einem sequential mixed design, das quantitative und qualitative Forschung verbindet. Dies bedeutet, dass in einer ersten Teilstudie quantitative Daten erhoben wurden und anschließend auf diesen Befunden aufbauend eine vertiefende qualitative Teilstudie angeschlossen wurde.
Für die quantitative Teilstudie im Winter 2014/2015 wurden in allen teilnehmenden Schulen (N = 36) je zwei Klassen der Jahrgangsstufen 6 und 8 (insgesamt N = 3 183 Schülerinnen und Schüler) sowie deren Eltern, Lehrkräfte und die Schulleitungen standardisiert mit einem Fragebogen befragt. Die Befragungen erfolgten auf freiwilliger Basis. Während alle Schulleitungen an der Befragung teilnahmen, beteiligten sich die Lehrkräfte mit 50,1 %, die Eltern mit 55,6 % und die Schülerinnen und Schüler mit 82,5 %. Erhoben wurde die „allgemeine Zufriedenheit mit der Kooperation“ und die „Häufigkeit der Nutzung schulinterner Partizipationsmöglichkeiten“ von Lehrkräften und Eltern. Als Maß für die soziale und ethnische Herkunft der Schülerinnen und Schüler (bzw. ihrer Eltern) wurde der durchschnittliche Sozialindex (HISEI) der Schulen herangezogen. Bezogen auf die jeweilige Schuleinheit wurden die quantitativen Daten aggregiert und mittels Korrelationsanalysen Zusammenhänge zwischen Partizipation, Zufriedenheit und Sozialindex untersucht.
Für die anschließende qualitative Teilstudie im Winter 2016/2017 wurden bestimmte Schulen ausgewählt. Insgesamt nahmen drei Hauptschulen, zwei Gesamtschulen und drei Gymnasien teil, aus denen jeweils vier Klassenlehrkräfte im Rahmen von Interviews befragt wurden (insgesamt N = 32). Die Ergebnisdarstellung in dieser Studie bezieht sich auf N = 12 Lehrkräfte der drei teilgenommenen Hauptschulen, da diese Schulen die geringste elterliche Beteiligung berichteten. Es wurden narrative Interviews mit leitfadengestützten Passagen durchgeführt. Diese Erzählungen resultierten aus dem Einstiegsimpuls zur Erfahrung in der Kooperation mit Eltern und Lehrkräften. Die Auswertung der Interviews erfolgte über die dokumentarische Methode. Durch diese Methode wurde ein mehrstufiges Interpretationsverfahren gebildet, das eine Rekonstruktion kollektiver Orientierungen und Handlungsmuster hinsichtlich vergleichbarer Problemlagen gestattet (Bohnsack, Nentwig-Gesemann & Nohl, 2007).
Forschungsfrage 1: Welche Zusammenhänge zeigen sich zwischen der Nutzung schulinterner Partizipationsmöglichkeiten, der allgemeinen Kooperationszufriedenheit und der sozialen und ethnischen Herkunft der Elternschaft aus Sicht der Eltern und Lehrkräfte?
Aus Perspektive der Eltern zeigt sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen der selbsteingeschätzten Partizipationshäufigkeit der Eltern und dem Sozialindex (r = -.291). Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Eltern größtenteils der Meinung sind, dass sie sich ausreichend an schulinternen Partizipationsangeboten beteiligen. Auch zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Kooperationszufriedenheit und dem Sozialindex (r = .091). Dabei gaben die Eltern an, dass sie zufrieden mit der Kooperation zwischen ihnen und den Lehrkräften sind. Zudem zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Kooperationszufriedenheit und Partizipationshäufigkeit (r = -.107).
Konträr zu diesem Befund bestehen aus Sicht der Lehrkräfte signifikante starke Zusammenhänge zwischen dem Sozialindex und der wahrgenommenen Partizipationshäufigkeit (r = .853) und Kooperationszufriedenheit (r = .875). Daraus folgt, dass Lehrkräfte deutliche Abweichungen im elterlichen Kooperationsverhalten bemerken, die sie auf die soziale und ethnische Herkunft der Eltern zurückführen. Insbesondere für das Phänomen der „Schwererreichbarkeit“ von Eltern bei bzw. für Partizipationsmöglichkeiten gilt, dass Lehrkräfte dies mit der sozialen und ethnischen Herkunft der Elternschaft eng verbinden. Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass Eltern und Lehrkräfte unterschiedliche Sichtweisen haben.
Forschungsfrage 2: Welche impliziten Vorstellungen, Erwartungen, Haltungen und Praktiken vollziehen sich in der Wahrnehmung von und im Umgang mit „Schwererreichbarkeit“ durch Lehrkräfte?
In ihren narrativen Interviews berichten alle Hauptschullehrkräfte von elterlicher „Schwererreichbarkeit“. Daraus lassen sich zwei kollektive Orientierungsrahmen der Lehrkräfte rekonstruieren, welche sich auf die Bereiche Kooperation und Elternmerkmale beziehen.
Der lehrkraftseitige Orientierungsrahmen Kooperation nimmt als Ideal Eltern an, die Elternabende besuchen, sich an Wahlen für partizipative Ämter beteiligen, die Rückmeldungen der Lehrkräfte zu Auffälligkeiten im Leistungs- und Sozialverhalten ihres Kindes annehmen und den Erziehungsauftrag an ihrem Kind eigenverantwortlich, kontinuierlich und nachhaltig gestalten – bei Bedarf in vertrauensvoller Abstimmung mit der Schule. In diesem Orientierungsrahmen gelten als gute Lehrkräfte diejenigen, welche Elternabende und Beratungstermine transparent anbieten und Eltern über Auffälligkeiten im Leistungs- und Sozialverhalten ihres Kindes berichten. Die interviewten Hauptschullehrkräfte verorten die Kooperationsbeziehungen zu den Eltern im negativen Bereich dieses Orientierungsrahmens. Sie nehmen die Eltern als „desinteressiert“ wahr, obwohl der Kooperationsbedarf als gleichzeitig hoch eingeschätzt wird. Dieses Spannungsfeld empfinden die Lehrkräfte als stark belastend.
Der lehrkraftseitige Orientierungsrahmen Elternmerkmale umfasst verschiedene Vergleichsdimensionen, die Lehrkräfte unterschiedlich differenziert verarbeiten. Zu den wesentlichen Vergleichsdimensionen gehören: nationale und sprachliche Herkunft der Schülerinnen und Schüler bzw. ihrer Eltern, Aufenthaltsstatus, Sprachkompetenz, Religionszugehörigkeit, Berufstätigkeit, Einkommen, Familienstand und die Anzahl der Familienmitglieder. Die interviewten Lehrkräfte assoziieren gut kooperierende Eltern mit den Merkmalen nicht-muslimisch, deutsch, deutsch-muttersprachlich, einkommensstark, berufstätig, verheiratet und nicht mehr als zwei Kinder habend. In der Projektion dieses als ideal angenommenen Orientierungsrahmens auf die konkrete Schulsituation liegen entsprechende Merkmale nur selten vor. Lehrkräfte sehen die Ursachen von „Schwererreichbarkeit“ allein auf Seiten der Eltern. Dabei wird häufig unterstelltes Desinteresse der Eltern und angenommene Verantwortungslosigkeit, was beides häufig auf die religiöse und nationale Zugehörigkeit der Eltern zurückgeführt wird, genannt.
Der Großteil der Elternschaft weicht aus Sicht der Lehrkräfte deutlich negativ von beiden Orientierungsrahmen ab. Zwei Strategien wählen die interviewten Lehrkräfte im Umgang mit der erlebten „Schwererreichbarkeit“, die beide weitgehend wirkungslos erscheinen: Entweder verzichten die Lehrkräfte auf jene Strategien, die sich in der Vergangenheit als nutzlos erwiesen haben oder die Lehrkräfte nutzen die bisher wirkungslosen Strategien noch stärker.
Forschungsfrage 3: Welche Relevanz zeigen Differenzen der Elternschaft?
Die Wirkungslosigkeit der beiden aufgezeigten Strategien hängt ursächlich mit einer durch die Lehrkräfte nur eingeschränkt wahrgenommenen und/oder berücksichtigten Differenz zwischen Herkunfts- und Lebenskontext der Eltern und Herkunfts- und Lebenskontext der Lehrkraft zusammen. Letztlich verursachen diese Einschränkungen eine unzureichende Passung zwischen der Strategie der Lehrkraft und den Bedarfen der schwer erreichbaren Eltern. Weil diese Eltern ohnehin keine oder nahezu keine gesellschaftlichen Privilegien besitzen, reproduziert und verfestigt die unzureichende Passung in den Strategien die soziale Ungleichheit.
Zum Hintergrund
Die Autorin wendet sich in ihrer Untersuchung einem wesentlichen Forschungsdesiderat zu, indem sie einen Perspektivwechsel im Kontext des Phänomens der „Schwererreichbarkeit“ von den Eltern auf die Lehrkräfte tätigt. Vorherige Untersuchungen zur „Schwererreichbarkeit“ fokussieren sich auf Eltern. Die Autorin plädiert für einen Paradigmenwechsel, wonach Lehrkräfte bei der Analyse und insbesondere dem Abbau von „Schwererreichbarkeit“ in den Blick genommen werden müssen. Dies kann dazu beitragen zu verstehen, inwiefern Lehrkräfte Teil des Problems sind und inwiefern sie Teil der Lösung von „Schwererreichbarkeit“ sein können. Studien hierzu liegen bislang nicht vor.
Die Autorin beschreibt ihren Untersuchungsgegenstand verständlich sowie effektiv und rekapituliert – durchaus auch kritisch – die einschlägigen Studien. Sie leitet aus den Befunden ihre Hypothesen ab, aus denen sie transparent ihre drei Forschungsfragen generiert. Dennoch wird eingangs wenig auf die Relevanz von Kooperation zwischen Eltern und Lehrkräften bzw. Schule eingegangen und als gegeben angenommen.
Zum Design
Das Niveau an Transparenz und Ausführlichkeit im Methodenteil fällt gegenüber dem Theorieteil ab. Nicht alle Details des Designs sind beschrieben. So liefert die Autorin beispielsweise zwar prozentuale Angaben zum Rücklauf der Fragebögen, doch die Stichprobe an sich bleibt weitgehend unbestimmt. Angaben zu Alter, Erfahrung, tatsächliche Herkunft der Eltern, etc. fehlen. Die inhaltliche Gestaltung der Fragebögen kann durch Lektüre des Methodenteils nur in Ansätzen nachvollzogen werden. Beispielsweise fehlen hier Angaben zum Skalenniveau der erhobenen Variablen. Insgesamt bleiben die Angaben zur Datenauswertung in dieser Teilstudie oberflächlich und schwer nachvollziehbar. Eine Replizierbarkeit der Untersuchung ist nur eingeschränkt möglich. Die qualitativ-rekonstruktiv ausgerichtete Teilstudie ist detaillierter beschrieben. Warum in der Analyse nur die narrativen Stehgreiferzählungen der Lehrkräfte auf den Einstiegsimpuls einfließen, erläutert Eiden nicht. Für Laien nachvollziehbar erweisen sich die Beschreibungen und Begründungen zu den angewandten Methoden (Korrelationsanalyse, dokumentarische Methode etc.) sowie der Einschränkung für den qualitativen Studienteil auf zwölf Lehrkräfte von drei Hauptschulen – an denen die höchsten Werte für Schwererreichbarkeit vorliegen.
Zu den Ergebnissen
Bei der Ergebnisdarstellung fehlen Angaben zu deskriptiven Statistiken (z. B. Mittelwerte), was die Interpretation der Ergebnisse erschwert. Es bleibt daher unklar, wie genau die mittlere Partizipationshäufigkeit und Kooperationszufriedenheit aus Sicht der Lehrkräfte und Eltern ausgeprägt war. Zudem fehlen Informationen zum mittleren Sozialindex der untersuchten Schulen. Insgesamt gelingt es der Autorin dennoch, die drei aufgeworfenen Forschungsfragen zu beantworten. Damit liefert sie durch den vorliegenden Beitrag ein gewichtiges Argument, dass Lehrkräfte bei der Beschäftigung mit „Schwererreichbarkeit“ zentral in die Analyse einzubeziehen sind. So zeigt sie, dass zwischen Lehrkräften und Eltern im Hinblick auf die Wahrnehmung, Deutung und Umsetzung von Kooperation teilweise gravierende Differenzen im Verständnis von Kooperation vorliegen. Eine von Elternschaft und Lehrerschaft gemeinsam getragene Konzeptualisierung und Bearbeitung von Kooperation – inklusive ihrer Bedingungen und Ziele – kann nicht vorausgesetzt werden. So facettenreich Eltern in ihren spezifischen Herkunfts- und Lebenskontexten sind, so flexibel muss die Aushandlung einer Kooperationsstrategie erfolgen. Eine pauschale Passung zwischen dem Bemühen der Lehrkräfte um Beteiligung der Eltern zum Zweck des Abbaus von „Schwererreichbarkeit“ wird der Diversität von Elterngruppen nicht gerecht und verstärkt letztlich die Ungleichheit.
Da anzunehmen ist, dass Strategien der Lehrkräfte zum Abbau von „Schwererreichbarkeit“ wirksamer werden, je offener sie gegenüber differenz-anerkennenden Elementen hinsichtlich der konkreten Elternschaft sind, sollten Anschlussforschungen zunächst untersuchen, wie eine adäquate Sensibilität gegenüber Differenzen bei Lehrkräften wirksam etabliert werden kann.
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